Alles „Cloud“

… oder was?

Wir kennen die Wolke als bildliche Darstellung des Internets. Ihren Ursprung findet die Wolken-Grafik in den Anfängen des Cloud Computing, als man begann, geografisch verteilte und organisatorisch geteilte Computerressourcen für Datenspeicherung und Informationsaustausch zu verwenden. Das war lange vor dem Internet, wie wir es heute kennen. Aber das Bild passte weiterhin, den das Internet ist fließend, nicht greifbar und gewisser Maßen chaotisch verteilt, aber von einem System zusammen gehalten, wie das Wetterphänomen „Wolke“. Und so wurde aus dem „Internet“ =  die „Cloud“. Und umgekehrt.

Die Verlockungen der „Cloud“

Doch inzwischen wird alles undifferenziert als „Cloud“ bezeichnet, was irgendwie mit Internet zu tun hat. Besonders gerne im Zusammenhang mit der Digitalisierung verschwimmen die Grenzen.Wo früher ein Unternehmen mit seinem „Business“ ins Internet musste, gehören nach allgemeiner Auffassung Geschäftsanwendungen einfach in die Cloud. Das jedenfalls versuchen Cloud Service Betreiber den Unternehmen bzw. ihren Entscheidern einzutrichtern. Dabei (ver)locken diese Anbieter gerne mit Kostenersparnis, Mobilität und Flexibilität. Und ebenso bereitwillig folgen besonders techniknahe Unternehmen diesen Ruf. Doch leider übersehen sie dabei etwas entscheidendes. Denn was als „Cloudlösung“ verkauft wird, ist meistens eine Mogelpackung für „Software as a Service“, also Mietprogramme. Diese laufen auf zentralen Internetservern eines einzelnen Betreibers in einem einzigen Datacenter. Die Programme werden mit den Kundendaten eng miteinander verknüpft gespeichtert.

Als Kunde ist man diesem Konstrukt auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Tatsächlich ist das ein Problem, denn es schafft Abhängigkeiten, wo es keine geben darf. Darüber hinaus hat dieses Geschäftsmodell mit dem Cloudgedanken rein gar nichts mehr zu tun.

Die Cloud nutzen und digital souverän bleiben

Für eine naive Vertrauensseligkeit gegenüber Cloudanbietern gibt es keinen Grund. Aber Cloud Services als „Teufelswerk“ abzutun, ist genau so unangebracht. Denn viele Anwendungen wie zum Beispiel Mailserver Services sind schon lange „Cloudlösungen“. Darüber hinaus möchte kein Unternehmen mehr auf Datenclouds oder Webkonferenz-Systeme verzichten, nachdem es seine Mitarbeiter in den letzten Monaten ins Homeoffice schicken musste. Und das ist auch gut so. Aber eine „alles ab in die Cloud“ Euphorie ist gefährlich. Denn so manche für das Unternehmen überlebenswichtige Geschäftsanwendung gehört nicht dorthin, jedenfalls nicht ohne ein organisatorisches und technisches „Backup“. Darüber hinaus gibt es noch andere technische Lösungsansätze, welche Mitarbeitern den mobilen Zugriff auf Geschäftsprozesse erlauben. Und zwar so, dass man die firmeninternen Daten nicht aus der Hand an fremde Dritte geben muss und unabhängig, also „digital souverän“ bleibt.

Lösungsansätze

Da Cloudanwendungen für eine sinnvolle Digitalisierung immer wichtiger werden, aber auch ihre Schattenseiten haben, widmen wir diesem wichtigen Thema zwei Beiträge:

Im Zentrum unserer Ausführungen steht somit die „digitale Souveränität“, welche zunächst ein Gegenpol zur „Digitalisierung via Cloud“ darstellt. Damit Sie nicht zwischen dem „Entweder – Oder“ hängen bleiben, sondern bei einem konstruktiven „Und“ landen, geben wir Ihnen wie immer jede Menge Denkanstöße und Entscheidungshilfen. Denn wenn Sie diese Beiträge durchgearbeitet haben, dann wissen Sie, worauf es bei Geschäftsanwendungen als Cloudlösungen ankommt. Und wenn dann noch Fragen offen sind oder neue auftauchen, die beantwortet werden müssen, dann melden Sie sich bei uns.

Komfortabel in der Cloud oder souverän digitalisiert?

„Wir müssen in die Cloud! … Wieso?“

Als man vor gut zwei Jahrzehnten über einen ähnlich lautenden Dialog in einem IBM-Werbespot schmunzelte, da steckte das „eBusiness“ quasi noch in den Kinderschuhen. Die „Zukunft des Business“ im Internet schien vielen in weiter Ferne. Doch nur wenige Jahre später galt ein Unternehmen ohne Website quasi als nicht existent, die E-Mail wurde zum wichtigsten Kommunikationsmittel im Geschäftsverkehr. Seit neuestem sind es die Cloudlösungen, welche die Digitalisierung von Unternehmen vorantreiben sollen.

Eine berechtigte Frage …

Die Digitalisierung steht also inzwischen ganz oben auf der Zukunftsagenda. Aber was genau bedeutet das? Cloudanbieter vermitteln gerne den Eindruck, dass Digitalisierung nur mit Cloudlösungen, also über das Internet, zu erreichen ist. Doch Unternehmen, die diesem Aufruf bedingungslos und uneingeschränkt folgen, bezahlen einen hohen Preis. Die Frage nach dem „Wieso (eigentlich)?“ ist also durchaus berechtigt. Deshalb gehen wir ihr in diesem Online-Ratgeber nach.

Was machen Cloudlösungen so gut?

Es gibt viele, sehr gute Gründe, für bestimmte Anwendungen Cloudlösungen einzusetzen. Denn im Internet verfügbare Dienste sind in der Regel von überall aus mit jedem Endgerät jederzeit abrufbar. Sie können theoretisch für einen unbegrenzten Personenkreis sofort bereit gestellt und von allen Beteiligten genutzt werden. Der Betrieb der Software auf externen Servern ist in der Regel recht preiswert, denn man teilt sich die Ressourcen mit anderen Anwendern auf der technischen Infrastruktur des Cloudanbieters. Keine Frage, das Arbeiten mit Cloudlösungen hat viele Vorteile. Spätestens seit Frühjahr 2020 sind Cloudlösungen aus dem betrieblichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Denn Home-Office ohne Videokonferenz System, Datencloud und Groupware ist eine ziemlich spaßbefreite Angelegenheit.

Eine erste Antwort

Also halten wir zum „Wieso“ fest: Für bestimmte Anwendungen sind Cloudlösungen sehr praktisch und komfortabel. Sie sind wichtiger Bestandteil einer sinnvollen Digitalisierung. Dennoch müssen Sie hier ein paar grundlegende Dinge unterscheiden. Denn es gibt auch eine Reihe von Geschäftsanwendungen, die in der Cloud eigentlich gar nichts zu suchen haben, jedenfalls nicht ohne doppeltes Netz und vierfachen Boden. Vor allem, wenn Sie Wert auf „Business Continuity“ legen, also auf die Ausfallsicherheit Ihres Unternehmens. Aber dazu später mehr. Wenden wir uns zunächst der Schokoladenseite von Cloudlösungen zu.

Drei Grundregeln für den Einsatz von Cloudlösungen

Egal, wie Sie es drehen und wenden, mit jeder Geschäftsanwendungen, die Sie in die Cloud verlegen, geben Sie ein Stück digitale Souveränität auf. Und bleiben dennoch in der unternehmerischen Verantwortung. Outsourcing schafft Abhängigkeiten und bindet Sie an Ihren Anbieter. Deshalb die

Regel Nr. 1: Anbieter sorgfältig auswählen

Das gilt sowohl für Ihre Agentur, die Ihnen eine Cloudlösung vermittelt als auch für den Softwarehersteller, der Ihnen eigentlich eine „Software as a Service (SaaS)“ als Mietmodell anbietet. Fragen Sie nach, welche Backup- und Datensicherungskonzepte mit angeboten werden. Haken Sie nach, ob die technische Infrastruktur  (Strom, Klima, Leitungen etc.) redundant angelegt ist. Denn nur so können Sie ein Mindestmaß an Ausfallsicherheit und durchgehender Verfügbarkeit voraussetzen. Wie wichtig das ist, können Sie hier nachlesen: „Cloud – zu Risiken und Nebenwirkungen …“

Regel Nr. 2:  Serverstandort D oder EU bevorzugen

Wie Sie wissen, unterliegt Ihr Unternehmen der (EU)-DSGVO. Sie müssen damit sicherstellen, dass die Server, auf denen die Sie Ihre Daten speichern und bearbeiten, sich mindestens innerhalb des EU-Gebietes befinden. Andernfalls müssen Sie mit entsprechenden AV-Vereinbarungen sicherstellen, dass der Cloudserver Betreiber – und nicht nur Ihre Agentur oder der Softwaranbieter ! – die europäischen Datenschutzregeln einhält. Die Veranwortung lässt sich hier leider nicht delegieren, sondern liegt ganz bei Ihnen. Als Tipp für die Praxis geben wir Ihnen mit, den Geschäftssitz der Anbieter zu überprüfen. Dieser ist zwar für Laien oft nicht so leicht zu ermitteln, aber mit etwas Beharrlichkeit bekommen Sie das hin. Denn auch die IP der Dienste erlaubt Rückschlüsse auf den Serverstandort. Für mehr Tipps in dieser Sache empfehlen wir Ihnen unseren Webcast: Datenverarbeitung in den USA.

Regel Nr. 3: Eignungstest der Geschäftsanwendungen (Cloud vs. digital-souveräne Alternative)

Hier geht es ans Eingemachte. Wir erwähnten bereits, dass nicht jede Anwendung „in die Cloud“ gehört. Aber über das „JA“ oder „NEIN“ müssen Sie selbst entscheiden. Denn schließlich geht es um Ihre digitale Souveränität, also um die unternehmerische Eigenständigkeit Ihrer Unternehmens-IT. Sie sollten allerdings wissen, dass es immer die eine Alternative zur Cloud gibt, ohne auf die Vorteile digitaler Geschäftsabläufe verzichten zu müssen.

(Um)denkpause

Wenn wir eine echte Erkenntnis aus den vergangenen Monaten ziehen können, dann die: wir müssen umdenken. Und zwar auf vielen Ebenen. Auch in der Unternehmens-IT. Danach müssen wir nur noch lernen, die neuen Wege wirklich zu beschreiten. Und dabei helfen wir natürlich gerne.

Wir haben es uns kurz vor der Sommerpause deshalb zur Aufgabe gemacht, altbekannte Fragestellungen einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Zum Beispiel:

  • Serverzertifikate auch als Marketingwerkzeug einsetzen? Gütesiegel und Prüfzeugnisse werden gerne als Werbung eingesetzt. Wie das bei Serverzertifikaten funktioniert, erfahren Sie im Beitrag „Über Siegel, Certs & Co …“
  • Warum bei IT-Investitionen und Innovationen wieder mehr auf made in „D“ oder „EU“ setzen? Dieser Frage gehen wir im Artikel über „Digitale Souveränität“ nach.
  • Eine Datencloud jenseits des Mainstreams einsetzen? Das ist in vielen Fällen nicht nur notwendig, sondern hat mehr Vorteile, als Sie denken. Hier der „Webcast: Eine Datencloud in 7 Minuten erklärt“

Zugegeben, die Beitragsthemen können unterschiedlicher kaum ausfallen. Aber wir dachten, wir können Sie ausnahmsweise auch mal mit ein paar Denksportaufgaben in  Sommerpause schicken. Denn in Ruhe aus einer anderen Perspektive auf Themen wie IT-Sicherheit oder Digitalisierung zu werfen, bürgt auch die Chance auf neue Lösungswege. Das sollten wir ausnutzen, aber lassen Sie sich bitte auf gar keinen Fall davon abhalten, die Sommerpause auch als wohlverdienten erholsamen „Break“ zu nutzen.

In diesem Sinne

Ihr eBusiness Lotse Berlin

Digitale Souveränität

Nein, das ist ganz sicher kein neuer Marketingbegriff. Die „digitale Souveränität“ steht für eine neue Agenda im Umgang mit der Digitalisierung. Denn die „Corona-Krise“ hat gezeigt, dass wir zu lange die Augen vor einer von vielen unangenehmen Tatsachen verschlossen hielten: Deutschland ist in Sachen Digitalisierung weltweit gesehen mittelmäßig. Das ist für eine sonst so hoch technisierte Export- und Industrienation peinlich.

Glücklicher Weise reichten unsere digitalen Ressourcen in Ausnahmesituation der vergangenen Wochen gerade noch so, um die hastig eingerichteten Homeoffices und Video-Konferenzsysteme im Betrieb zu halten. Aber gut ist definitiv anders. Unsere Versäumnisse sind nicht nur im lückenhaften Breitband-Internetausbau zu suchen. Mehrnoch: Sie liegen viel tiefer. Denn wir haben verschlafen, bei der Festlegung neuer technischer Standards und Regeln aktiv ganz vorn mitzuwirken. Deshalb bleibt uns derzeit nur noch das Hinterherlaufen und Reagieren. Und diese fehlende digitale Souveränität wird jetzt zu einem echten Problem.

Wo genau liegt das Problem?

Ein konkretes Beispiel aus aktuellem Anlaß

In den letzten Monaten zeigte sich die fatale Abhängigkeit Europas und auch die der Bundesrepublik Deutschland von Lieferungen aus anderen Teilen der Erde. Dabei ging es überwiegend um medizinische Produkte. Dabei warnten Fachleute siet Jahren vor den eklatanten Folgen, auf eigene Produktions- und Vorratskapazitäten zu verzichten. Leider interessierte sich bis zum Ausbruch der Pandemie kaum jemand dafür.

Das gleiche Phänomen beobachten wir auch seit Jahren in Internet und Informationstechnologie. Denn Innovationen entstehen hier inzwischen woanders. Schlimmer noch, man investiert in Ausbildung und Infrastruktur erst, wenn es die Umstände unvermeidlich machen. Und anstatt zu agieren versucht man im nachhinein zu regulieren. Kurzum, nicht nur die Politik, sondern auch speziell die deutsche Wirtschaft ignoriert seit Jahren Entwicklungen und Tendenzen der Digitalisierung. Die Konsequenzen des eigenen Handelns bzw. Unterlassens blendet man einfach aus.

Eine eco-Studie zum Thema „Digitale Souveränität“

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft, eco e.V. führte Anfang März 2020 eine Umfrage unter deutschen IT-Experten zum Thema „Digitale Souveränität“ durch. Man wollte wohl genau diesem Verdacht nachgehen, dass die Spielregeln in der IT kaum noch hierzulande gemacht werden. Im Endeffekt bedeutet das nämlich, dass sich die meisten deutschen Unternehmen mehr oder weniger von Produkten und Dienstleistungen aus anderen Staaten abhängig gemacht haben.

UPDATE: Fördermaßnahme der BAFA – lange Wartelisten für Antragsteller

Die Fördermaßnahme „Vom Coronavirus betroffene Unternehmen“ aus dem „Programm zur Förderung unternehmerischen Know Hows“ erfreut sich allergrößter Beliebtheit und sorgt deshalb für eine Flut von Anträgen beim BAFA. Diese kann das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle leider derzeit nicht bewältigen. Und die bereitgestellten Mittel betragen „nur “ 15,34 Millionen EURO. Deshalb hat BAFA hat die Bearbeitung ausgesetzt und will die eingangenen Anträge genauer prüfen. Das heißt für Sie und uns: Auch wir müssen uns mit den Anträgen in die lange Warteschlange einordnen. Also wird derzeit leider nichts mit der schnellen Hilfe, aber wir können die

Wartezeit sinnvoll nutzen

Natürlich sind auch bei uns für das Beratungsprogramm „EBL Go Forward“ erste Anfragen eingegangen. Das freut uns sehr und wir wollen Sie natürlich jetzt nicht in der Luft hängen lassen. Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir mit der Situation umgehen wollen.

1. Vorauswahl treffen.

Das ist keine angenehme Aufgabe, aber wir werden die bei uns eingehenden Anfragen einer Vorauswahl unterziehen müssen. Dazu nehmen wir Kontakt mit Ihnen auf, denn wir müssen die

2. Erfüllung der Förderkriterien genau prüfen.

Je konkreter und dringlicher wir Ihren Förderbedarf im Vorfeld herausarbeiten können, um so größere Chancen einer Zusage für diese Fördermaßnahme durch das BAFA. Falls das entgegen unserer Erwartungen nicht fruchtet, werden wir

3. Alternative Maßnahmen finden.

Möglicher Weise passt Ihr Vorhaben in ein anderes Förderprogramm. Oder wir haben eine andere Lösung für Sie, die ebenfalls attraktiv ist.

In jedem Fall bleiben wir dran und halten Sie auf dem laufenden. Wenn Sie sich selbst über die aktuellen Anpassungen der Fördermaßnahme informieren möchten, dann empfehlen wir Ihnen den regelmäßigen Blick in diese Broschüre: Vom Coronavirus betroffene Unternehmen. Dieses BAFA-Merkblatt zur „Richtlinienergänzung zum Programm Förderung unternehmerischen Know-how“wird regelmäßig aktualisiert.