Digitale Souveränität

Nein, das ist ganz sicher kein neuer Marketingbegriff. Die „digitale Souveränität“ steht für eine neue Agenda im Umgang mit der Digitalisierung. Denn die „Corona-Krise“ hat gezeigt, dass wir zu lange die Augen vor einer von vielen unangenehmen Tatsachen verschlossen hielten: Deutschland ist in Sachen Digitalisierung weltweit gesehen mittelmäßig. Das ist für eine sonst so hoch technisierte Export- und Industrienation peinlich.

Glücklicher Weise reichten unsere digitalen Ressourcen in Ausnahmesituation der vergangenen Wochen gerade noch so, um die hastig eingerichteten Homeoffices und Video-Konferenzsysteme im Betrieb zu halten. Aber gut ist definitiv anders. Unsere Versäumnisse sind nicht nur im lückenhaften Breitband-Internetausbau zu suchen. Mehrnoch: Sie liegen viel tiefer. Denn wir haben verschlafen, bei der Festlegung neuer technischer Standards und Regeln aktiv ganz vorn mitzuwirken. Deshalb bleibt uns derzeit nur noch das Hinterherlaufen und Reagieren. Und diese fehlende digitale Souveränität wird jetzt zu einem echten Problem.

Wo genau liegt das Problem?

Ein konkretes Beispiel aus aktuellem Anlaß

In den letzten Monaten zeigte sich die fatale Abhängigkeit Europas und auch die der Bundesrepublik Deutschland von Lieferungen aus anderen Teilen der Erde. Dabei ging es überwiegend um medizinische Produkte. Dabei warnten Fachleute siet Jahren vor den eklatanten Folgen, auf eigene Produktions- und Vorratskapazitäten zu verzichten. Leider interessierte sich bis zum Ausbruch der Pandemie kaum jemand dafür.

Das gleiche Phänomen beobachten wir auch seit Jahren in Internet und Informationstechnologie. Denn Innovationen entstehen hier inzwischen woanders. Schlimmer noch, man investiert in Ausbildung und Infrastruktur erst, wenn es die Umstände unvermeidlich machen. Und anstatt zu agieren versucht man im nachhinein zu regulieren. Kurzum, nicht nur die Politik, sondern auch speziell die deutsche Wirtschaft ignoriert seit Jahren Entwicklungen und Tendenzen der Digitalisierung. Die Konsequenzen des eigenen Handelns bzw. Unterlassens blendet man einfach aus.

Eine eco-Studie zum Thema „Digitale Souveränität“

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft, eco e.V. führte Anfang März 2020 eine Umfrage unter deutschen IT-Experten zum Thema „Digitale Souveränität“ durch. Man wollte wohl genau diesem Verdacht nachgehen, dass die Spielregeln in der IT kaum noch hierzulande gemacht werden. Im Endeffekt bedeutet das nämlich, dass sich die meisten deutschen Unternehmen mehr oder weniger von Produkten und Dienstleistungen aus anderen Staaten abhängig gemacht haben.