Total verpeilt

Viel peinlicher geht es eigentlich schon gar nicht mehr. Der Technologie-Exporteur Deutschland rangierte 2017 laut Akamai-Studie bei den Breitbandanschlüssen im europäischen Mittelfeld (siehe CRN.de). Irgendwo zwischen Bulgarien, Spanien, Lithauen und Ungarn. Und es ist immer noch nicht besser geworden, denn die groß angekündigte Breitband-Offensive Deutschlands verkam zum Rohrkrepierer. Hier gab es ausreichend EU-Fördermittel, aber diese wurden nicht abgerufen (siehe focus.de und tagesschau.de im März 2018).

Total verpennt

Ebenfalls total verpeilt reagiert unsere Politik auf die „neue“ Datenschutz-Grundverordnung. Einst machte sich die Bundesrepublik Deutschland stark für die Bürgerrechte, auch in der digitalen Welt. Unser altes Datenschutzgesetz stand in vielen Punkten Pate für die EU-weit geltenden Regeln. Deshalb sind viele der Inhalte auch gar nicht so neu. Und eigentlich gelten die neuen Datenschutz-Regeln schon seit zwei (!) Jahren. Doch anstatt diese Schonfrist konstruktiv zu nutzen und insbesondere die KMU bei der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen zu unterstützen, wurde sie schlichtweg verschlafen. Dabei hätten zum Beispiel Fördermaßnahmen, wie sie einst „ECOMM“ bereitstellte, gut helfen können. Ach ja, wir erinnern uns – das Projekt „Kompetenzzentrum für den elektronischen Geschäftsverkehr“ lief 2015 aus, weil man die Förderung einstellte. Die BB-ONE.net ist hier mit dem eBusiness Lotsen übrigens als einziger Projektpartner immer noch an Bord.

Jetzt jedenfalls jammern alle – inklusive der Politik – über die „Umstände“, welche die Stärkung der digitalen Bürgerrechte in Europa den Unternehmen „plötzlich“ bereitet. Clevere Geschäftemacher schüren Panik und nutzen die Unsicherheit insbesondere bei den Kleinunternehmen und Selbständigen. Dabei geht eine gute Sache leider vollkommen unter, nämlich dass die Internet-Konzerne, die mit dem neuen Gold „Daten“ Milliarden verdienen, immer häufiger mit heruntergelassenen Hosen erwischt und (hoffentlich) demnächst auch ordentlich zur Kasse gebeten werden.

Total unwürdig

Apropos Kasse machen und Datengold schürfen. Eigentlich eher amüsant ist der vermeintliche „Fehlgriff“ bei der Vergabe der Keynote zur CeBIT-Eröffnung. Denn anstatt zu einer Lobhudelei über die tolle Welt der „Virtual Reality“ anzusetzen, holte Jaron Lanier, ein Pionier und Querdenker der modernen digitalen Welt, zum Rundumschlag gegen Google, Facebook & Co aus. Damit hatten die inzwischen verkopften und fernab der realen Geschäftswelt agierenden Macher der CeBIT wohl nicht gerechnet.

Lanier nannte nämlich die Geschäftsmodelle der Social Media Konzerne „krank“ und „unwürdig“. Sie suggieren dem Nutzer Kostenlosigkeit, doch sie schürfen das wahre Gold, nämlich seine Daten und sammeln über sein Verhalten viele Informationen. Und das tun sie, indem sie das menschliche Bedürfnis nach Kommunikation und Anerkennung ausnutzen. Sie analysieren die „Unterhaltungen“, die eigentlich besser im direkten Austausch stattfinden sollte. Dabei filtern sie alle relevanten Information heraus, um noch rafiniertere Werbung platzieren zu können. So manipulieren sie das Nutzer-, Wähler- oder Kaufverhalten immer weiter. Und damit sie die Sache mit den „Verhaltensänderungs-Schleifen“ richtig abzurunden, bedienen „Likes“ und „Shares“ das menschliche Belohnungssystem mit dem Signal: mehr davon. So macht man Leute abhängig. (Übrigens: Wenn Sie mehr über den Vortrag von Jaron Lanier erfahren wollen, finden Sie ihn hier auf heise.de …)

Besser machen

Selbst Lanier vertraut darauf, dass wir Menschen in der Lage sind, die Welt zu verbessern. In dem wir kritisch bleiben, Kritik üben und nicht immer aus Gründen der „Political Correctness“ die Klappe halten. Normaler Weise halten wir uns ja auch eher zurück, aber manchmal reicht’s uns einfach mit dem „für dumm verkauft werden“. Denn wir folgen unserer Mission, kritisch zu bleiben, genau hinzusehen und unser Wissen weiter zu geben. Damit Sie sich bei Ihren Entscheidungen im Online-Business daran orientieren können.

In diesem Sinne

Ihre eBusiness Lotse Berlin Redaktion